Moskaus Metro: Die schönste U-Bahn der Welt und wie man sie benutzt

Von Alexander Popov

Über 2,5 Milliarden Passagiere pro Jahr, 13 Linien, 225 Stationen – die Moskauer Metro ist Europas meistbenutztes U-Bahn-Netz und zählt zu den Top Ten der Welt. Dabei ist sie nicht nur ein schnödes Nahverkehrssystem, sondern zählt aufgrund ihrer vielen architektonisch einmaligen und zum Teil wunderschönen Stationen zu den Hauptattraktionen der russischen Mega-City. Stalin wollte nach dem Ende der Monarchie in Russland dem Volk „Paläste der Arbeiterschaft“ bauen und wählte dafür die in den 1930ern aufgebaute Metro. Das Resultat waren dutzende Stationen, die erst einmal eher wie ein Museum, als ein Untergrundbahnhof wirken.

Während die New Yorker beispielsweise eine Art Hassliebe zu ihrer zum Teil sehr heruntergekommenen Subway hegen – man denke nur an das millionenfach geteilte Video einer Ratte mit einem Stück Pizza, die unbehelligt quer durch einen New Yorker Subway-Bahnhof spazierte – lieben die Moskowiter ihre Metro uneingeschränkt. Meist ist sie sogar das schnellste Verkehrsmittel, um zwischen zwei beliebigen Punkten innerhalb Moskaus zu reisen – Dank der dichten Taktung, der schnellen Züge und nicht zuletzt dem katastrophalen Moskauer Straßenverkehr.

Grundsätzliches

Die Moskauer Metro öffnet täglich um 5:25 und schließt um 1 Uhr morgens. Jedoch sollte man, sofern man eine Fahrt zur Randzeit geplant hat, die genaue Abfahrt des letzten Zuges von der jeweiligen Station nachschauen. Denn in manchen Stationen fährt der letzte Zug schon einige Minuten vor ein Uhr ab, auch wenn dann erst die Tore aller Stationen gleichzeitig verschlossen werden.

Die Zugtaktung ist generell sehr dicht. Tagsüber kommen im Schnitt alle 90 Sekunden Züge. Deshalb ist bei den meisten Stationen kein Display angebracht, das die nächste Abfahrt anzeigt. Jedoch sieht man auf einer Anzeige über dem Tunneleingang, durch den der Zug den Bahnhof verlässt, wann der letzte Zug abgefahren ist. So hat man als Passagier eine ungefähre Idee, wann der nächste Zug einrollt.

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Die Stationen sind generell relativ weit auseinander gelegen. Der durchschnittliche Abstand zwischen zwei Stationen beträgt mehr als 1,7 km – mehr als drei Mal viel, wie beispielsweise bei der Pariser Metro. Deshalb erreichen die Züge im Schnitt auch deutlich über 40 km/h, während es in London nur 30 km/h sind.

Die Linien sind zudem allesamt äußerst lang – Linie 9 mit ihren über 40 km ist die achtlängste Metro-Linie der Welt. Bis auf die Ringlinie 5, die Moskaus Zentrum einmal umrundet, führen alle Linien aus einem der Außenbezirke durch das Zentrum in einen anderen Vorort. Man ist also immer entweder Richtung Zentrum, oder vom Zentrum hinaus unterwegs.

Eigenheiten der Moskauer Metro

Wenn man die Moskauer Metro benutzt, sollte man sich einiger Eigenheiten bewusst sein, die man so von den westlichen Metro-Systemen nicht kennt. Der Blick auf die Metro-Karte Moskaus verrät schon einmal die erste Besonderheit, die das Moskauer System hat. Umsteigestationen, also Bahnhöfe, die von mehreren Linien bedient werden, werden nicht unter einem Namen geführt.

Nahe des Kremls treffen beispielsweise vier Metro-Linien aufeinander – von jeder kann man jeweils ohne das System zu verlassen in die andere umsteigen – jedoch erhielten alle Bahnsteige der jeweiligen Linien einen eigenen Bahnhofsnamen. Alexandrovsky Sad, Borovitskaya, Arbatskaya und Lenin-Bibliothek sind de facto eine Station und würden in London oder Paris auch als solche geführt – in Moskau jedoch hat jeder Bahnsteig seinen eigenen Bahnhofsnamen.

MOSCOW METRO MAP

Das ist für viele Besucher erst einmal verwirrend – zumal es eine Ausnahme für diese Regel gibt: Die Kreuzungsbahnhöfe der braunen Ringlinie 5 werden allesamt unter einem Stationsnamen geführt.

Generell ist die Ausschilderung in Moskauer Metro-Bahnhöfen, gerade im Vergleich zu unseren Bahnhöfen, spärlich. Gerade um die älteren zum Teil wunderschön dekorierten Stationen nicht zu verschandeln, sind die Schilder vergleichsweise klein und nicht in Signalfarben gehalten. Immerhin ist seit der Fußball-WM 2018 eine zweisprachige Beschilderung die Norm.

Das Wissen um eine weitere Besonderheit hilft bei der Orientierung. In denjenigen Zügen, die gerade aus dem Zentrum in die Außenbezirke unterwegs sind, erfolgen die Ansagen durch eine Frauenstimme. Züge Richtung Stadtzentrum werden mit einer Männerstimme beschallt.

Als Sicherheitsmaßnahme wurden in den 90er-Jahren die Mülleimer in der Metro abgeschafft, nachdem es mehrere Anschläge auf die Metro gegeben hatte. Völlig ungeachtet dessen gibt es in der Moskauer Metro Hunderte Straßenhunde, die den Untergrund zu ihrer Heimat gemacht haben. Zum Teil sieht man die Hunde auch in den Zügen der Metro.

Wie die Hunde es schaffen die Moskauer Metrozüge tatsächlich als Verkehrsmittel zu nutzen und an der richtigen Station herauszukommen, wird mittlerweile sogar wissenschaftlich untersucht. Die Moskowiter haben die Hunde über die Jahre ins Herz geschlossen – das Phänomen dürfte also auch noch in den kommenden Jahren zu beobachten sein.

Fahrkarten

Jede Station der Moskauer Metro hat sowohl Ticket-Automaten, als auch Schalter. Eine einzelne Fahrt kostet momentan 55 Rubel. Kauft man jedoch gleich mehrere Fahrten mit einmal, sinkt der Preis pro Fahrt. Bei 20 Fahrten beispielsweise auf 37,5 Rubel, bei 60 Fahrten auf 29,4 Rubel. Nutzt man die kontaktlose Troika Karte, die kontaktlos am Drehkreuz nutzbar ist, sinkt der Preis einer einzelnen Fahrt auf 36 Rubel. Jedes Mal wenn man das System betritt, muss man eine Fahrt zahlen.

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit Zeitkarten zu erwerben. Von einer 218 Rubel teuren 24-Stunden-Karte bis zum Jahres-Abo für 18.900 Rubel gibt es zahlreiche Optionen.

Auch wenn bei vielen älteren Stationen keine klassischen Drehkreuze vorhanden sind, sondern lediglich schmale Durchgänge – man sollte unbedingt mit Fahrkarte unterwegs sein und diese entwerten. Denn die vermeintlich offenen Durchgänge sind mit zwei verdeckten Blockade-Elementen ausgestattet, die herausschnellen, sobald ein Fahrgast versucht ohne Fahrkarte hindurchzugehen. Im Zweifel können diese Elemente auch schmerzhafte Prellungen an den Oberschenkeln verursachen.

Die schönsten Stationen

44 der ältesten Stationen der Moskauer Metro stehen heute unter Denkmalschutz. Gerade die prächtigen Bauten, die vor und nach dem zweiten Weltkrieg gebaut wurden, sind architektonische Highlights. Die Station Novoslobodskaya zum Beispiel ist mit dutzenden Buntglasfenstern verziert, die an Kirchenfenster erinnern. Dazu erstrahlt am Ende des Bahnsteigs ein großes Mosaik und in goldenen Lettern das russische Wort für Frieden.

Die Station Prospekt Mira wiederum wirkt mit ihren großen Kronleuchtern und stuckartigen Decken eher wie ein Adelsbau. Die Station Kievskaya wiederum ist etwas gedrungener, hat dafür aber zahlreiche Gemälde und ebenso beeindruckende Kronleuchter. Die Station Arbatskaya auf der blauen Linie ist mit ihren geschwungenen weißen Bögen auch eines der absoluten Highlights der Moskauer Metro.

Doch das absolute Kronjuwel unter den Moskauer Metro-Stationen ist Komsomolskaya. Der auf der Ringlinie gelegene Bahnhof hat die Eleganz eines Ballsaals. Die hohen goldgelben Decken mit den riesigen Leuchtern wirken geradezu pompös und wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen in einem Schloss zu sein. Doch beim Verweilen und Bewundern sollte man nicht allzu sehr im Weg stehen. Für normale Moskowiter ist die Metro in erster Linie immer noch ein Transportmittel, meist von und zur Arbeit. Da besteht wenig Verständnis für im Weg stehende Touristen.

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