Das Lenin-Mausoleum – ein absolutes Muss für jeden Moskau-Reisenden

Von Alexander Popov

Das Lenin-Mausoleum – ein absolutes Muss für jeden Moskau-Reisenden

Auf der Liste der Top-Attraktionen der russischen Hauptstadt ist das Lenin-Mausoleum ganz oben zu finden. Auf einem der berühmtesten Plätze der Welt gelegen, ist es ein absolutes Muss für jeden Moskau-Touristen. Die gute Nachricht vorneweg: Der Eintritt ist kostenfrei, jedoch muss man vor einem Besuch einiges beachten, wie ihr in unserem Artikel erfahren werdet.

Das Konterfrei des kommunistischen Revolutionärs ist weltbekannt – Lenin ist auch knapp einhundert Jahre nach seinem Ableben noch immer jedem Russen ein Begriff. Er führte die Oktober-Revolution an, die aus dem monarchistischen Zarenreich Russland die kommunistische Weltmacht Sowjetunion formte. Zwar ist das Sowjet-Imperium längst Geschichte, der Mythos Lenin lebt jedoch immer noch weiter. Nicht zuletzt durch das Mausoleum im Zentrum der Millionen-Metropole Moskau, das noch heute Jahr für Jahr Hunderttausende Besucher anzieht.

Bereits in den ersten Tagen nach dem Ableben Lenins im Januar 1924 hatten unzählige Trauernde, manche zeitgenössische Berichte sprechen gar von über einer Million Besucher in den ersten zwei Wochen nach seinem Tod, stundenlang in der bitteren Moskauer Winterkälte gewartet, um den Leichnam Lenins zu sehen. So entschied sich die damalige Führung der Sowjetunion den Körper ihres Gründervaters einzubalsamieren und permanent aufzubahren, um ihn für die Bevölkerung zugänglich zu halten.

Das noch heute bestehende und aus Granit und Marmor geformte Mausoleum wurde schließlich nach zwei vorher errichteten und aus Holz gezimmerten Provisorien im Jahr 1930 eröffnet. Seitdem ruht der einbalsamierte Leichnam Lenins in der eigens für ihn kreierten Grabstätte. Das Mausoleum ist dabei nicht nur zur Pilgerstätte für Anhänger der kommunistischen Ideologie geworden, sondern ist für jeden Geschichts-Interessierten ein unglaublich spannender Ort.

Einen prominenteren Ort für das Mausoleum könnte es in ganz Russland nicht geben – genau auf dem berühmtesten Platz des Riesenreichs, der auch zu den meistfotografierten Orten der Welt zählt. Eingebettet zwischen Kremlmauer und rotem Platz kommt kein Moskau-Besucher an dem beeindruckenden Bauwerk vorbei.

Ein Besuch muss wohlgeplant sein, es gilt möglichst früh anzureisen

Doch Mal ebenso bei Lenin vorbeischauen, ist meist nicht möglich. Denn noch immer ist das Mausoleum eine äußerst beliebte und dazu noch kostenfreie Sehenswürdigkeit. Im Sommer und Teils selbst in den bitterkalten russischen Wintermonaten bilden sich regelmäßig lange Warteschlangen entlang der Kremlmauer, um den Vater des Sowjet-Kommunismus zu sehen.

Zudem sind die Öffnungszeiten nicht gerade besucherfreundlich: Täglich von 10 bis 13 Uhr ist das Mausoleum geöffnet- jedoch mit zwei Ausnahmen: Montags und Freitags, sowie an hohen russischen Feiertagen bleibt das Mausoleum geschlossen.

Wegen der oftmals über eine Stunde betragenden Wartezeiten, empfiehlt es sich, an den offiziellen Besuchstagen bereits etwa zwanzig bis dreißig Minuten vor der Öffnung des Mausoleums zu kommen – im Sommer eventuell gar noch früher. Sollte man Taschen oder Kameras dabei haben, müssen diese vorher in der Garderobe des Kutafja-Turms (кутафья башня – in der Nähe der Metro-Station Aleksandrovsky Sad) des Kremls abgegeben werden.

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Absolutes Fotografie- und Filmverbot, dringend vor 12 Uhr anstellen

Leider ist es verboten innerhalb des Mausoleums zu filmen oder zu fotografieren. Im Zweifel sollte man lieber ganz ohne Kamera und Taschen kommen. Sind diese dann erst einmal abgegeben, müssen alle Besucher durch eine Sicherheitskontrolle mit Metall-Detektor, die an diejenige eines Flughafens erinnert.

Die eigentliche Schlange beginnt dann an der Kreml-Mauer, in etwa neben dem staatlichen historischen Museum. Vom Kutafja-Turm muss man, um dort hin zu gelangen, die Manezhnaya Ulitza entlang gehen und rechts auf den roten Platz abbiegen, sofern die Schlange nicht schon um die Ecke Richtung Alexander-Garten reicht. Allerspätestens gegen 12 Uhr Mittags sollte man in der Schlange sein, da man sonst eventuell kurz vor der Schließung um ein Uhr am Eingang abgewiesen wird und seine Zeit verschwendet hat.

Einmal im Mausoleum angekommen, nimmt man die Stufen hinunter in den dunklen und kühlen Raum, in dem der kommunistische Übervater seit fast einem Jahrhundert aufgebahrt wird – nur während einer kurzen Phase im zweiten Weltkrieg, als die deutschen Truppen sich Moskau näherten, wurde Lenin temporär evakuiert.

Respektvolles Verhalten ist ein Muss: Ruhe, keine Kopfbedeckungen, Hände aus den Taschen

Unter der ständigen Beobachtung der bewaffneten Wachposten, die einen dazu anhalten die Spielregeln einzuhalten – dazu gehört nicht zu reden, Kopfbedeckungen abzunehmen, die Hände aus den Hosentaschen zu nehmen und sich auch sonst respektvoll zu zeigen – wird man einmal um den mit Glas umrahmten Sarkophag geführt.

Einmal unten angekommen muss man sich erst an die dunklen Lichtverhältnisse gewöhnen, was gerade im Sommer durchaus eine Anpassung ist. Dafür ist der Innenraum ständig konstant kühl, was in den warmen Moskauer Monaten durchaus angenehm ist.

Nur wenige Minuten hat man beim Besuch des Mausoleums, um einen Blick auf Lenin zu erhaschen. Die im gesamten Gebäude platzierten Wächter achten strikt darauf, dass sich die Schlange der Besucher langsam aber stetig halbkreisförmig um den Sarkophag herum fortbewegt. Selbst wenn man nur wenige Sekunden innehält, wird man dazu aufgefordert weiterzugehen.

Dabei wirkt der Körper des 1923 verstorbenen ehemaligen Sowjet-Gründers, den man aus ein paar Metern Entfernung hinter kugelsicherem Glas sieht, gut erhalten – man erkennt das bekannte Gesicht sofort. Auch wenn der Körper Lenins nach über 90 Jahren zwangsläufig ein wenig an eine Statue aus Madame Tussaud’s Wachsfigurenkabinett erinnert. Lenin selbst scheint erstaunlich klein, für einen Mann seines Ansehens. Zu Lebzeiten galt seine Körpergröße von 1,65 Meter allerdings als völlig normal.

Etwa 15 Millionen Rubel jährlich, also etwa 200.000 €, gibt die russische Regierung heute noch aus, um Lenins Leichnam zu erhalten. An manchen Tagen bleibt das Mausoleum außerplanmäßig geschlossen, wenn die Präparateur den Körper Lenins erneut einbalsamieren müssen.  

Könnte Lenin bald begraben werden?

Wie lange der Besuch im Mausoleum in der heutigen Form noch möglich ist, bleibt abzuwarten. Schon lange gibt es Bestrebungen den Leichnam Lenins endgültig zu beerdigen. Lenin selbst hatte vor seinem zu frühen Ableben, während seiner schweren Krankheit mit mehreren Herzinfarkten betont, dass er neben seiner Mutter Marija Uljanowna auf dem Sankt Petersburger Volkovskoje-Friedhof beerdigt werden wolle.

Auch seine Ehefrau Nadeschda Krupskaja hatte zu Lebzeiten diesen Wunsch für ihren verstorbenen Mann geäußert. Selbst Stalin wollte einen Personenkult rund um den verstorbenen Gründervater der Sowjetunion vermeiden, doch da war es bereits zu spät. Unter der Sowjet-Bevölkerung war Lenin schlicht zu beliebt, um das Mausoleum abreißen zu lassen. Stattdessen wurde Stalin selbst von 1953 bis 1961 an der Seite Lenins aufgebahrt, bis er im Zuge der Entstalinisierung unter Nikita Kruschtschow an der Kreml-Mauer beerdigt wurde.

Bestrebungen vom ersten nachsowjetischen russischen Präsidenten Boris Jelzin, der betonte dass der rote Platz kein Friedhof sei und Lenin beerdigen wollte, wurden von seinem Nachfolger Putin schnell wieder verworfen. Doch mittlerweile ist laut Umfragen eine Mehrheit der Russen dafür, Lenin endlich die letzte Ruhe zu gewähren. Vielleicht wird dies nach dem 100. Todestag im Jahr 2023 auch passieren.

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