Gorki Park und Sperlingsberge: Grüne Lunge, Erholungs- und Treffpunkt

Von Alexander Popov

Gorki Park und Sperlingsberge

Russlands Hauptstadt Moskau hat über 50 Parks und größere Grünflächen. Die Moskowiter suchen regelmäßig die Flucht ins Grüne, wenn ihnen der Großstadt-Trubel über den Kopf wächst. Wohl keiner der 50 Parks ist derart bekannt und beliebt, wie der direkt am Fluß Moskwa gelegene riesige aus vier ganz unterschiedlichen Teilen bestehende Gorky Park im Süden der Hauptstadt.

Ein gleichnamiger Hollywood-Thriller über einen Mord im Park, eine der bekanntesten russischen Rock-Bands, die Gorky Park heißt, sowie zahlreiche Erwähnungen in der Pop-Kultur – von einer Szene bei House of Cards bis zu einem Song der Hannoveraner Band Scorpions – all dies macht den zentralen Park der Kultur und Erholung, wie der etwas sperrige offizielle Name lautet, zu einer kleinen Berühmtheit.

Für Moskowiter ist er aber in allererster Linie die Anlaufstelle schlechthin, um ein wenig Zeit im Grünen zu verbringen. Sei es nun um mit dem Fahrrad, als Jogger, oder Spaziergänger das gut 120 Hektar große Gelände zu erkunden – oder am kürzlich neu hergerichteten Krimskaya-Flussufer im sogenannten Muzeon-Teil des Parks Sonne zu tanken, oder schlicht auf einer der großen Rasenflächen im Parterre-Abschnitt ein wenig die Ruhe Mitten in der Millionen-Metropole zu genießen.

Die Geschichte des Gorky

Der Park wurde zu Sowjet-Zeiten zwischen den beiden Weltkriegen erreichtet und nach dem damaligen Author Maxim Gorky benannt. Bis zur Jahrhundertwende war die Fläche unweit vom Zentrum erst als Villenviertel mit riesigen Anwesen und hatte dann in den Wirren des Bürgerkrieges sowie kurz danach als illegale Mülldeponie gedient, auf der Bürger wie Unternehmer ihren Müll entsorgten.  

Nach der intensiven Säuberung in den frühkommunistischen Jahren wurde aus dem Gelände Mitte der 1920er-Jahre zuerst eine Landwirtschaftsausstellung gemacht, bis der Moskauer Stadtrat beschloss, hier einen für alle Bürger Moskaus zugänglichen Park zu errichten. Dies sollte schließlich ganze zehn Jahre Bauzeit dauerte. Über die gesamte Sowjet-Zeit hinweg war der Park dann unglaublich beliebt und jedem Sowjetbürger, ob aus Moskau oder nicht, ein Begriff.

Wiedergeburt nach der grundlegenden Sanierung

Jedoch verfiel das Gelände nach dem Ende der Sowjetunion zusehends – billige Rummelstände wie Schießbuden und langsam vor sich hinrostende Fahrgeschäfte prägten das traurige Bild. Lediglich Auswärtige verliefen sich noch in den Park, der mehr von seinem Ruf, als von der tristen Realität lebte.

Erst mit der grundlegenden und ebenso kostspieligen Renovierung im Jahr 2011 wurde aus dem Gorky wieder der von den Einheimischen geliebte Park, der er einst war. Gerade die Promenade entlang des Flusses mit ihren großen Liegeflächen im Sommer, wie die zahlreichen Eisflächen zum Schlittschuhlaufen im Winter locken nunmehr wieder Tausende Einheimische täglich in den Gorki.

Unzählige Essens- und Café-Stände, die über das Gelände verstreut sind, versorgen die Besucher mit allem Erdenklichen – von georgischen Delikatessen, einem ordentlichen Café bis hin zu traditionell russischem Kwass, oder Eis und Smoothys im Sommer.

Konzerte, Kunst und Rückzugsort

Noch größere Zuschauermagneten sind da lediglich die Konzerte im Park und diese haben hier eine lange Tradition. Allein 2018 traten mit David Guetta, den Red Hot Chili Peppers, den Killers und Lana del Rey zahlreiche internationale Musikgrößen Open Air auf. Doch auch abseits der großen Events gibt es im Gorky immer was zu sehen. Das moderne Kunstzenturm „Garage“ (Website https://garagemca.org/en) im Park hält regelmäßige Kunst- und Design-Ausstellungen.

Zudem schenkten das Kunst-Zentrum dem Park zu seinem 90. Geburtstag im Jahr 2018 den größten Kinderspielplatz in ganz Russland. Zahlreiche Spielgeräte, darunter allein 29 verschiedene Schaukeln, sind der perfekte Ort, um ein paar Stunden mit dem Nachwuchs zu verbringen. Im Park lassen zudem an mehreren Orten Tretboote ausleihen, beispielsweise an den Andreevsky-Teichen, was ebenso kindgerecht ist. 

Für Erwachsene werden im Park regelmäßig gemeinsame Sport-Kurse abgehalten. Vom gemeinsamen Joggen bis hin zum Yoga oder Pilates gibt es organisierte Kurse – Beach-Volleyball-Felder, Fußballplätze und ein Open Air Fitness Studio bieten weitere Möglichkeiten sich sportlich zu betätigen. Im Anschluss laden Biergärten zum Verweilen ein – all dies geschieht vornehmlich im mittleren Teil des Gorky Parks, genannt Neskuchny-Garten.

Du willst den Gorki Park und die Magie Moskaus selbst erleben? Dann brauchst du zu allererst ein Visum – wie du das erhältst, erfährst du hier!

Abseits des Zentralteils: Muzeon und Sperlingsberge

Im Muzeon genannten Abschnitt nördlich der Krim-Brücke finden sich über 1000 Statuen, Sowjet-Denkmäler und moderne Kunsteinrichtungen. Dieser Freiluftmuseums-ähnliche Abschnitt des Gorkys lädt zu einem Spaziergang ein, der einen an übergroßen und ebenso pompösen Sowjet-Büsten, wie an avantgardistischen Kunst-Gegenständen des 21. Jahrhunderts vorbeiführt. Umzingelt von Lenin-Statuen, wirkt dieser Abschnitt zum Teil Surreal. Besonders die Stalin-Statue, der die Nase entfernt wurde, zieht Besucher magisch an.

Für Fotografen bieten die zum Teil leicht rostigen Büsten und Überbleibsel aus der Sowjetzeit tolle Motive. Wer sich als angehender Fotograf noch verbessern will, kann bei Photoplay (https://photoplay.ru/courses/workshop/photoplayatgorky.html) gar einen Fotografie-Kurs im Park mitmachen. Dieser ist mit 2900 Rubel, also knapp 40€, deutlich erschwinglicher als Vergleichbares hierzulande.

Kein Wunder, dass dieser Abschnitt als Instagram-Paradies für Moskaus explodierende Hipster-Szene gilt. Auch im Muzeon werden immer wieder Events abgehalten – die warmen Monate über hinweg beispielsweise werden hier immer wieder Kino-Vorführungen im Freien abgehalten. Russische Klassiker, wie internationales Kino werden gezeigt.

Absolute Ruhe hat man in den Sperlingsbergen, die ebenfalls zum Park gehören aber räumlich vom anderen Teil getrennt sind. Etwa vier Kilometer weiter die Moskwa entlang stadtauswärts befindet sich dieser Abschnitt des Gorky-Parks, der weitestgehend naturbelassen ist. Dort hat man, genau gegenüber des großen Luschniki-Stadions auf der anderen Moskwa-Seite, wo bereits Olympia und das WM-Finale stattfanden, einen weiteren Rückzugsort Mitten in Moskau. Am höchsten Punkt der Sperlingsberge, auf den eine Seilbahn führt, hat man einen fantastischen Blick auf Moskau.

Praktische Informationen

Am einfachsten erreicht man den Park über die Metro-Station Oktyabrskaya (Октябрьская), von der aus es ein kurzer Fußmarsch zum monumentalen Hauptportal des Parks ist. Aber auch von den Stationen Schabolowskaja (Шаболовская) und Lenin-Prospekt(Ленинскийпроспект) erreicht man die südlicheren Teile des Parks, wie beispielsweise die Sperlingsberge. Den äußersten Nordteil mit dem Muzeons-Abschnitt und den Skulpturenpark erreicht man am besten über die Station Poljanka (Полянка).

Auf der offiziellen Webseite des Parks findet man allerlei nützliche Informationen, wie aktuelle Veranstaltungen wie Kino-Vorführungen und Konzerte (https://park-gorkogo.com/en) auf Russisch und Englisch. Wobei der russische Teil regelmäßiger aktualisiert wird. Die Kunstausstellung Garage ist täglich von 11 bis 22 Uhr geöffnet. In den Muzeon-Teil des Parks gelang man kostenlos von 8 bis 22 Uhr.   

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